Pflegegrad bei Demenz: wie Gedächtnis und Verhalten zählen

Stand: 26.10.2026 · Redaktion Klargrad. Geschrieben nach dem Gesetz und amtlichen Quellen. So entstehen unsere Ratgeber.

Bei Demenz zählt in der Begutachtung vor allem, was ein Mensch noch selbst erkennen, entscheiden und steuern kann, nicht nur, was er körperlich schafft. Wer sich nur mit Anleitung wäscht oder nur mit Aufforderung isst, gilt in diesen Bereichen nicht als selbständig, und Gedächtnis oder Verhalten können zusammen bis zu 15 Punkte bringen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Begutachtung fragt nicht nach der Diagnose, sondern nach Selbständigkeit und Fähigkeiten im Alltag (§ 14 SGB XI).
  • Gedächtnis, Orientierung und Verständigung (Modul 2) und Verhalten (Modul 3) teilen sich bis zu 15 Punkte; es zählt der höhere Wert.
  • Anleitung, Aufforderung und Beaufsichtigung gelten als Hilfe. Das ist bei Demenz oft der größte Teil der Pflege.
  • Verhalten zählt nach Häufigkeit: wie oft jemand eingreifen, beruhigen oder lenken muss.
  • Mit Pflegegrad entlasten vor allem der Entlastungsbetrag (131 € im Monat), Tagespflege und Verhinderungspflege.

Wie erfasst die Begutachtung eine Demenz?

Seit 2017 bewertet die Begutachtung nicht mehr Minuten für Waschen und Anziehen, sondern Selbständigkeit und Fähigkeiten in sechs Bereichen (§ 14 Abs. 2 SGB XI). Für Menschen mit Demenz ist das wichtig: Sie können sich oft noch bewegen und haben Kraft, aber sie wissen nicht mehr, was als Nächstes zu tun ist, finden sich nicht zurecht oder geraten in Unruhe. Genau das erfassen zwei der sechs Module.

  • Modul 2, Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: zum Beispiel Personen erkennen, sich orientieren, sich erinnern, Alltagshandlungen in der richtigen Reihenfolge ausführen, Entscheidungen treffen, Gefahren erkennen.
  • Modul 3, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: zum Beispiel nächtliche Unruhe, Umherlaufen, Abwehr von Hilfe, Ängste, Wahnvorstellungen.

Beide Module teilen sich ihr Gewicht; es zählt nur der höhere Wert (§ 15 Abs. 3 SGB XI). Zusammen mit Modul 6 (Tagesablauf und Kontakte) und der Selbstversorgung in Modul 4 entstehen bei Demenz oft die meisten Punkte.

Warum zählt Anleitung als Hilfe?

Die Begutachtungs-Richtlinien beschreiben genau, wann jemand nicht mehr selbständig ist. „überwiegend selbständig“ ist eine Person schon dann, wenn jemand sie zu einer Tätigkeit auffordern, ihr Dinge zurechtlegen oder kurz kontrollieren muss. „überwiegend unselbständig“ ist sie, wenn sie die Handlung nur mit umfassender Anleitung schafft, jemand sie also Schritt für Schritt begleitet, oder wenn sie ständig beaufsichtigt werden muss.

Für Familien heißt das: Wer der Mutter beim Waschen jeden Schritt sagt, hilft beim Waschen, auch wenn sie den Waschlappen selbst hält. Diese Hilfe ist unsichtbar, wenn niemand sie beschreibt. Bei der Begutachtung hilft es deshalb, nicht nur zu sagen, was die Person kann, sondern auch, was dafür nötig ist.

Wie zählt herausforderndes Verhalten?

In Modul 3 zählt, wie oft ein Verhalten vorkommt und Hilfe nötig macht: „nie oder sehr selten“, „selten (ein- bis dreimal innerhalb von zwei Wochen)“, „häufig (zweimal bis mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich)“ oder „täglich“ (Anlage 1 SGB XI). Gemeint ist nicht, dass jemand einmal unruhig war, sondern ob regelmäßig jemand eingreifen, beruhigen oder lenken muss, zum Beispiel nachts, beim Waschen oder wenn die Person die Wohnung verlassen will.

Gerade hier hilft ein Pflegetagebuch: Wer zwei Wochen lang notiert, wann die Person nachts aufsteht oder Hilfe abwehrt, kann die Häufigkeit belegen. Eine Vorlage gibt es im Ratgeber Pflegetagebuch.

Wie bereitet man die Begutachtung bei Demenz vor?

  • Ein Pflegetagebuch über ein bis zwei Wochen, mit Nächten und Tagen, an denen es schlecht lief.
  • Arztbriefe und, falls vorhanden, Befunde aus der Gedächtnisambulanz oder Neurologie.
  • Eine Liste typischer Situationen: wo die Person sich verläuft, was sie vergisst, wann sie unruhig wird.
  • Eine vertraute Person beim Termin. Was vor der Person schwer zu sagen ist, kann sie der Gutachterin oder dem Gutachter auch getrennt oder schriftlich mitteilen.

Viele Menschen mit Demenz wirken beim Besuch einer fremden Person wacher und sicherer als im Alltag. Die Gutachterin oder der Gutachter soll den gewöhnlichen Alltag erfassen; dafür braucht es die Beschreibung der Familie. Die Checkliste fasst das zusammen.

Welche Leistungen entlasten Familien bei Demenz?

  • Entlastungsbetrag: bis zu 131 € im Monat ab Pflegegrad 1, zum Beispiel für Betreuungsgruppen oder stundenweise Begleitung durch anerkannte Angebote (§ 45b SGB XI). Mehr im Ratgeber Entlastungsbetrag.
  • Tages- und Nachtpflege: Betreuung tagsüber in einer Einrichtung, ab Pflegegrad 2 zusätzlich zu Pflegegeld oder Sachleistung, bei Pflegegrad 2 bis zu 721 € im Monat (§ 41 SGB XI).
  • Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: wenn die pflegende Person Urlaub braucht oder krank ist. Mehr im Ratgeber Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege.
  • Pflegekurse für Angehörige, die die Pflegekassen kostenlos anbieten (§ 45 SGB XI).

Was einer Familie insgesamt zusteht, zeigt das Pflege-Budget. Kostenlose Beratung gibt es bei der Pflegekasse und im Pflegestützpunkt.

Was ändert die Pflegereform für Menschen mit Demenz?

Der Gesetzentwurf für 2027 lässt die Module 2 und 3 unverändert. Die höheren Punktgrenzen und die strengere Umrechnung in den Modulen 1, 4 und 6 betreffen aber auch Menschen mit Demenz, denn bei ihnen zählen meist mehrere Module zusammen. Nach dem Gesetzentwurf zählt das Recht am Tag des Antrags: Anträge, die bis zum 31.12.2026 gestellt werden, werden noch nach den heutigen Regeln begutachtet. Mehr im Vergleich 2026 und 2027.

Häufige Fragen

Bekommt man mit einer Demenz-Diagnose automatisch einen Pflegegrad?
Nein. Entscheidend ist, wie selbständig der Mensch im Alltag ist. Eine Diagnose hilft der Gutachterin oder dem Gutachter aber, die Lage einzuordnen.
Muss die Person mit Demenz bei der Begutachtung dabei sein?
Ja, begutachtet wird die Person selbst, in der Regel bei ihr zu Hause. Meist ist eine vertraute Person dabei und beschreibt den gewöhnlichen Alltag.
Was, wenn sich die Person beim Besuch besser zeigt als sonst?
Das ist bei Demenz häufig. Ein Pflegetagebuch und Notizen zu typischen Situationen helfen, den gewöhnlichen Alltag zu zeigen.

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Quellen

Stand: 26.10.2026. Zuerst veröffentlicht am 26.10.2026. Redaktion Klargrad.

Zitiervorschlag: Quelle: Klargrad, klargrad.de/ratgeber/pflegegrad-demenz, Stand 26.10.2026